Text Peter Bader Fotos Regio-Fix AG
Erfindergeist und Innovation bilden die DNA der Firma Rego-Fix in Tenniken (Schweiz). Die Herstellerin von Präzisions-Werkzeugspannsystemen hat dazu eigens einen Ideenpool für Mitarbeitende eingerichtet. «Um Innovation grundsätzlich sicherzustellen, sind Marktnähe, Akzeptanz bei Kunden und technologische und ökonomische Offenheit entscheidend», sagt CEO Pascal Forrer.
Im Eingangsbereich des Unternehmens Rego-Fix in Tenniken (Schweiz) hängt das Porträt von Fritz Weber: Der Erfinder- und Innovationsgeist des inzwischen verstorbenen Gründers und ehemaligen Patrons legte den Grundstein für eine erfolgreiche Firmengeschichte. An deren Beginn stand allerdings eine Notlage. Fritz Weber war das älteste von zehn Geschwistern. Als sein Vater überraschend starb, ging es für die Familie ums Überleben. «Als gewiefter Mechaniker, Erfinder und Tüftler machte er in der Folge alles Mögliche, auch Lohnarbeit. Es ging einfach darum, Arbeit zu bekommen», erinnert sich sein Sohn Richard Weber. 1950 gründete der damals 26-jährige Fritz Weber in Reigoldswil einen Einmannbetrieb. Das erste in Serie gefertigte Produkt war ein Besenhalter namens Rego-Fix: Rego für Reigoldswil, fix für fixieren. Die Idee dahinter: Sind die Borsten durchgescheuert, sollen neue an den Besenstiel montiert werden können, sodass man diesen weiterverwenden kann.
1972 entwickelten Fritz Weber und sein Team die sogenannte ER-Spannzange, ein System zur präzisen Werkzeugspannung als Schnittstelle zwischen Maschine und Bohrer oder Fräser. Diese Innovation revolutionierte die Werkzeugspannung in der metallverarbeitenden Industrie. Sie setzte sich international durch und gilt bis heute als Industriestandard DIN 6499. «Wir sorgen dafür, dass Schneidwerkzeuge rund, stabil, sicher und präzise laufen», sagt Pascal Forrer, seit Anfang 2026 CEO von Rego-Fix. «Unsere Produkte tragen entscheidend dazu bei, Fertigungsprozesse effizienter zu gestalten und auf höchstem Niveau zu sichern.» Und das in einem Hochpräzisionsumfeld mit Konstruktionen im Tausendstelmillimeterbereich und in vielen Anwendungen mit bis zu 30 000 Maschinenumdrehungen pro Minute. Zum Vergleich: Fährt ein Auto mit 100 km/h, drehen sich die Räder nur rund 800-mal in der Minute. Das verdeutlicht die hohe Dynamik im modernen Zerspanungsprozess.
Heute ist Rego-Fix ein international tätiges Unternehmen mit einem Exportanteil von weit über 90 Prozent. Mit zehn Tochtergesellschaften in China, Indien, Japan, Brasilien, Mexiko, USA, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und Italien sowie einem globalen Netz an Vertriebspartnern ist Rego-Fix in mehr als 50 Ländern vertreten. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 350 Mitarbeitende, davon 260 am Hauptsitz in Tenniken.
Die ER-Spannzange revolutionierte die Werkzeugspannung (hier die Standardspannzange ER32).
«UNSERE PRODUKTE TRAGEN ENTSCHEIDEND DAZU BEI, FERTIGUNGSPROZESSE EFFIZIENTER ZU GESTALTEN UND AUF HÖCHSTEM NIVEAU ZU SICHERN.»
Das Produktportfolio umfasst unter anderem das patentierte powRgrip®-Werkzeugspannsystem, hochwertige ER-Spannzangen und -Spannmuttern, das micRun®-Hochpräzisions-ER-System und kundenspezifische Sonderlösungen. Hinzu kommen Reinigungs- und Prüfwerkzeuge für die Spindel, mit denen das Unternehmen sein Angebot diversifiziert hat. Rund 6000 verschiedene Standardprodukte sind es insgesamt, rund 1,5 Millionen werden jährlich produziert. Und zwar ausschliesslich in Tenniken mit vollautomatisierten Produktionsprozessen. Gearbeitet wird hier in drei Schichten rund um die Uhr, in gewissen Abteilungen an sieben Tagen in der Woche.
In der Schweiz zu entwickeln und zu produzieren, sei insbesondere in Bezug auf die Kosten anspruchsvoll, sagt Pascal Forrer. Aber nur so könne man höchste Qualitätsstandards garantieren. Letztere erwarten Kundinnen und Kunden auch. Dazu zählen kleine spezialisierte Firmen genauso wie Grossunternehmen. Sie kommen aus der Luft- und Raumfahrt, der Automobil- und Rüstungsindustrie, der Medizintechnik, der Uhren- und Schmuckherstellung, dem Maschinenbau und der Elektronikfertigung.
Neue Trends aufspüren
In Tenniken entsteht derzeit auf einer Fläche von 5000 Quadratmetern eine neue Produktionshalle, deren Inbetriebnahme im Herbst 2026 geplant ist. In den vergangenen Jahren ist das Unternehmen stark gewachsen: Verfügte Rego-Fix 2018 erst über zwei Niederlassungen, so sind es heute deren zehn. Hauptverantwortlich für das Wachstum seien unter anderem die Raum- und Luftfahrt, die Halbleiterindustrie und die Medizintechnik, erklärt CEO Forrer. «Dort kommen harte, hitzebeständige, schwer zerspanbare Materialien zum Einsatz, was entsprechend hohe Anforderungen an die Spannsysteme stellt.» Auch das schleichende Aus der Verbrennermotoren sei für das Unternehmen kein wirkliches Problem. In neu entwickelten Fahrzeugen brauche es immer mehr Kameras. Auch deren Linsen aus Glas seien in der Bearbeitung anspruchsvoll und dafür eigneten sich die Spannsysteme von Rego-Fix bestens. Sorgen bereiten Pascal Forrer einzig die zunehmenden protektionistischen Tendenzen in der globalen Wirtschaftswelt. «Wir sind auf gute internationale Handelsbeziehungen angewiesen und hoffen, dass diese erhalten bleiben. Entscheidend dafür ist, dass die Schweiz weitere bilaterale Freihandelsabkommen abschliesst.»
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, ist in jedem Fall fortlaufende Innovation unabdingbar. 2015 erhielt Rego-Fix den begehrten Red Dot Produktdesign-Award für die automatische powRgrip®-Spanneinheit PGU 9500. Damit lassen sich Werkzeuge schnell, einfach, sicher, ohne Hitzeentwicklung und quasi per Knopfdruck einspannen. Die Jury lobte insbesondere das durchdachte Design und die einfache Handhabung. Um Innovation grundsätzlich sicherzustellen, seien Marktnähe, Akzeptanz bei Kundinnen und Kunden und technologische und ökonomische Offenheit entscheidend, hält Pascal Forrer fest. Vor rund fünf Jahren habe zum Beispiel ein Kunde in China bei der Rego-Fix-Tochtergesellschaft für Lösungen zur Bearbeitung von kleinen Rädchen angefragt, die sich zahlreich in Humanoid-Robotern finden. Daraus habe sich schliesslich eine Zusammenarbeit entwickelt. «Wir waren vor Ort, genossen das Vertrauen des Kunden und waren bereit, neue Produkte zu tragbaren Preisen zu entwickeln. Das ist entscheidend. In der Raumfahrt in den USA konnten wir so schon vor zehn Jahren neue Trends aufnehmen.»
Zudem gibt es bei Rego-Fix einen Ideenpool, der wie ein Briefkasten funktioniert. Alle Mitarbeitenden haben damit die Möglichkeit, ein Formular mit einer Idee für ein neues Produkt oder für die Verbesserung eines Prozesses auszufüllen. Bei jeder davon wird anschliessend in einem mehrstufigen Verfahren abgeklärt, ob sie sich technologisch und ökonomisch sinnvoll umsetzen lässt. Monatlich werden so rund fünf Ideen eingereicht.
Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist für Pascal Forrer auch, dass Rego-Fix nach wie vor ein Familienunternehmen ist. Der studierte Betriebswirt stiess 2018 zum Unternehmen und förderte die internationale Ausrichtung in Marketing und Vertrieb. Auf Anfang 2026 löste er Richard Weber als CEO ab. Dieser präsidiert nun den Verwaltungsrat, dem auch seine beiden Brüder angehören. «Die drei Brüder sind präsent und nahbar, die Entscheidungswege sind kurz, was auch schnelle Strategieanpassungen möglich macht.» Der 46-Jährige schätzt auch die enge Zusammenarbeit innerhalb der Schweizer Maschinenindustrie, insbesondere mit Blaser Swisslube. «Unlängst haben wir im Rahmen der Swisstour gemeinsam internationale Kundinnen und Kunden in der Schweiz betreut. Das sind hilfreiche Synergien», hält Pascal Forrer fest.
Der Erfinder- und Innovationsgeist von Gründer Fritz Weber (bei der Qualitätsprüfung der Spannzangen) legte die Basis für eine erfolgreiche Firmengeschichte.
Das Schweizer Unternehmen Rego-Fix wird heute von CEO Pascal Forrer (rechts auf dem Bild) und VR-Präsident Richard Weber geleitet.
Meilensteine in der Rego-Fix Geschichte
Fritz Weber gründet in Reigoldswil (BL) den Einmannbetrieb «Fritz Weber Feinmechanik und Werkzeugbau».
1972
Erfindung der ER-Spannzange.
1988
Rego-Fix gründet die erste Niederlassung: Rego-Fix USA.
1992
Die Rego-Fix-ER-Spannzange wird mit der DIN-Norm 6499 standardisiert.
1998
Der heutige Hauptsitz in Tenniken (BL) entsteht.
2002
Mit powRgrip® und der Spanneinheit PGU 9500 entsteht ein automatisches Werkzeugspannsystem, das 2015 den Red Dot Award erhält.
2006
Die Söhne Andreas, Stefan und Richard Weber übernehmen die Unternehmensleitung.
2014
Das micRun®-System wird als Werkzeugspannlösung für Mikroanwendungen entwickelt.
2023
Rego-Fix eröffnet mehrere internationale Verkaufsniederlassungen (darunter in Brasilien, China, Deutschland und Frankreich).
2026
Pascal Forrer wird neuer CEO. In Tenniken wird eine neue Produktionshalle eröffnet.
